Archiv der Kategorie: Klischee

“Wege zum Norden”: Endspurt bis zum neuen Buch

Mein neues Buch “Wege zum Norden:

Wiener Forschungen zur Arktis und Subarktis”

ist in der Endredaktion.

Das Buch wird gemeinsam mit Stefan Donecker

und Markus Hirnsperger herausgegeben.

Ein äußerst spannendes Buch mit vielen interessanten Beiträgen …

Von mir gibt es einen Beitrag über George R. R. Martin

und die Konstruktionen des Nordens.


Fußball als gelebter Klischee-Krieg: Zu Hans Rauschers „Einserkastl“ „Laufende Tattoos“ in Der Standard vom 22./23.06.2012

Manche Dinge kehren immer wieder. Man kann sich auf sie verlassen. Manche von ihnen begrüßt man wie alte Freunde, andere weniger. Eines dieser weniger erfreulichen Dinge ist die in etwa jährlich wiederkehrende, klischeehafte Kolumne von Hans Rauscher zum Thema Tätowierungen (zuletzt im Mai 2011).

Die Darstellung wiederholt sich immer wieder, deshalb ist es müßig, immer wieder die gleichen Gegenargumente zu bringen.

Dieses Mal greift Hans Rauscher auf Peter-Philipp Schmitts Artikel „Sich seiner Haut erwehren“ vom 21.6.2012 in der FAZ zurück. Die Experten, die dort angegeben werden, sind Stephan Oettermann und sein 1979 (!) erschienenes Buch „Zeichen auf der Haut“ und der nicht wenig umstrittene Medizin-Psychologe Erich Kasten (nicht: Kastner). Deren Thesen vom Fußball als Gladiatorenschauspiel und der Psychopathologie von Tattoos kann man diskutieren. Die „sublimierten Stammeskriege“ der Tätowierten sind dann wieder eine typisch gerauscherte Verkürzung. Für Rauscher bleiben Tätowierte irgendwo zwischen „Gewohnheitskriminellen, Maori-Kriegern und Angelina Jolie“, letztlich genau wie die Fußballfans „heulende Wilde“ oder im besten Fall ‑ die von Erich Kasten zitierten „Mitläufer“.

So geht es natürlich auch. Das ist allerdings wieder einmal nur eine „sublimierteWiedergabe von Klischees und Vorurteilen“ (um Rauschers „Stammeskrieg“-Metapher aufzugreifen). Und diese Klischees haben nur mit einem Teil der Wirklichkeit zu tun.

Es gibt immer mehr Tätowierer und Tätowiererinnen mit künstlerischem Wissen und Können, neuen Techniken und Materialien. Es gibt auch viele Studien über die Gründe und Bedeutungen von Tätowierungen, die nicht nur die bloße Nachahmung von medialen Vorbildern und Moden betonen.Dazu zählen etwa: der Wunsch und die Lust den eigenen Körper zu verschönern; der Wunsch nach Andenken, Spiritualität, Gruppenzugehörigkeit, Selbstwertgewinn, Rebellion und und und. Tätowierte sind noch lange nicht arbeitslos oder aus der Unterschicht. Im Gegenteil, es gibt sie überall. Von der deutschen Ex-Bundespräsidenten-Gattin, der Verkäuferin im Supermarkt bis eben hin zum Fußballspieler oder -fan. Auch das beweisen viele Studien. Die meisten Tätowierten sind auch keine GewalttäterInnen oder VerbrecherInnen. Und schon gar keine „heulenden Wilden“.

Bei Rauschers „Einserkastl“ bleibt es bei einem „sublimierten Klischee-Krieg“ über Tätowierungen. Und es bleibt … zum Heulen.

 

Bis zum nächsten Jahr …

Mag. Igor Eberhard

(abgedruckt im Standard vom 29. Juni 2012)

Der Text von Rauscher zum Nachlesen hier: http://derstandard.at/1339638746511/Einserkastl-rau-Laufende-Tattoos?seite=2#forumstart


Pimp My Körper! Arbeiten über Tätowierungen – Weiterführende Infos

Zu Tätowierungen hat fast jeder eine Meinung.
Dennoch gibt es sehr viele Klischees und Vorurteile.
Gleichzeitig sind Tattoos für viele mit Rebellion, Freiheit, Erotik oder einfach Attraktivität verbunden.
Kalt lassen sie die wenigsten.
Wie auch: Sie verbreiten sich immer mehr. Parallel dazu boomen Schönheits-Operationen, Permanent-Make up etc.
Der eigene Körper wird immer wichtiger – und er wird Gestaltungsmasse.
Er muss angepasst werden. Das Ziel ist es, immer attraktiv, jung und gesund zu sein.
Der Körper und sein Schmuck rücken weiter in den Mittelpunkt. Das eigene Körper-Ich wird zum „Werkzeug“ für die „Optimierung“ des Selbst. Tattoos sind eine Möglichkeit dafür. Und sie unterliegen auch Trends, Entwicklungen und Moden. Sie sind immer Teil von etwas Größerem: einer Kultur, einer Strömung, einer Mode oder einfach einer persönlichen Einstellung. Der vorliegende Band „Pimp My Körper! Arbeiten über Tätowierungen“ soll diesen Themen nachgehen.

Preis: 34,90 EUR — ISBN: 978-3-86924-249-1

Mit Beiträgen über: -         Maori Tätowierungen (ta moko) heute -         Tätowierte Damen und Tätowierte Attraktionen in Zirkus und Schaubude -         Tattoo und Subkultur -         Tätowierungen und Lebensstil in Samoa -         Tattoo und Körpermodifikation -         Gefängnis-Tattoos -         Tattoo-Theorie -         Tattoo und Psychologie, Kriminologie etc. -         Tattoo-Motive und -Künstler -         Tattoos, Klischees und Vorurteile -         Tattoo-Mode und Tattoo-Trends -         Tattoo-Entwicklung

Igor Eberhard ist Wissenschaftler und Journalist. Er studierte in Mainz und Wien Kultur- und Sozialanthropologie, Germanistik und Philosophie. Seit 2008 lehrt Eberhard an der Universität Wien.

Zu beziehen beim Verfasser direkt unter: kaltfronten.com

oder bei Amazon unter:


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