Archiv der Kategorie: Medienkritik

“Die Letzte Liebesnacht der Nymphomanin”: Beschwerde gegen BILD Online – Opferschutz ist wichtig

Beschwerde deutscher Presserat "Die Letzte Liebesnacht der Nymphomanin"


Meine Beschwerde beim deutschen Presserat ist durchgegangen.
Bild Online hat eine Rüge wegen der Berichterstattung im Artikel "Die Letzte
Liebesnacht der Nymphomanin" bekommen

- im Artikel wurde das ungepixelte Foto des Opfers, Vorname + abgekürzter
Nachname sowie als mögliche Todesursache die "Diagnose" Sexsucht gestellt.

Zum Nachlesen
http://www.bild.de/news/inland/nymphomanie/wie-starb-die-nymphomanin-tina-f-27496578.bild.html
+ entschärft online)

Zum Weiterlesen
http://www.bild.de/news/inland/nymphomanie/sie-war-das-opfer-der-maenner-27519382.bild.html

Bild Online hat eine Rüge nach Ziffer 8 des deutschen Pressekodex erhalten

Ziffer 8 – Schutz der Persönlichkeit

Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle
Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann
es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden
Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die
schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße
Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung.
Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein.
Die Presse gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.

-- und da gilt besonders Richtlinie

Richtlinie 8.2 – Opferschutz
Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines
Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität
des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können
veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte
Personen  zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des
öffentlichen Lebens handelt.

Fußball als gelebter Klischee-Krieg: Zu Hans Rauschers „Einserkastl“ „Laufende Tattoos“ in Der Standard vom 22./23.06.2012

Manche Dinge kehren immer wieder. Man kann sich auf sie verlassen. Manche von ihnen begrüßt man wie alte Freunde, andere weniger. Eines dieser weniger erfreulichen Dinge ist die in etwa jährlich wiederkehrende, klischeehafte Kolumne von Hans Rauscher zum Thema Tätowierungen (zuletzt im Mai 2011).

Die Darstellung wiederholt sich immer wieder, deshalb ist es müßig, immer wieder die gleichen Gegenargumente zu bringen.

Dieses Mal greift Hans Rauscher auf Peter-Philipp Schmitts Artikel „Sich seiner Haut erwehren“ vom 21.6.2012 in der FAZ zurück. Die Experten, die dort angegeben werden, sind Stephan Oettermann und sein 1979 (!) erschienenes Buch „Zeichen auf der Haut“ und der nicht wenig umstrittene Medizin-Psychologe Erich Kasten (nicht: Kastner). Deren Thesen vom Fußball als Gladiatorenschauspiel und der Psychopathologie von Tattoos kann man diskutieren. Die „sublimierten Stammeskriege“ der Tätowierten sind dann wieder eine typisch gerauscherte Verkürzung. Für Rauscher bleiben Tätowierte irgendwo zwischen „Gewohnheitskriminellen, Maori-Kriegern und Angelina Jolie“, letztlich genau wie die Fußballfans „heulende Wilde“ oder im besten Fall ‑ die von Erich Kasten zitierten „Mitläufer“.

So geht es natürlich auch. Das ist allerdings wieder einmal nur eine „sublimierteWiedergabe von Klischees und Vorurteilen“ (um Rauschers „Stammeskrieg“-Metapher aufzugreifen). Und diese Klischees haben nur mit einem Teil der Wirklichkeit zu tun.

Es gibt immer mehr Tätowierer und Tätowiererinnen mit künstlerischem Wissen und Können, neuen Techniken und Materialien. Es gibt auch viele Studien über die Gründe und Bedeutungen von Tätowierungen, die nicht nur die bloße Nachahmung von medialen Vorbildern und Moden betonen.Dazu zählen etwa: der Wunsch und die Lust den eigenen Körper zu verschönern; der Wunsch nach Andenken, Spiritualität, Gruppenzugehörigkeit, Selbstwertgewinn, Rebellion und und und. Tätowierte sind noch lange nicht arbeitslos oder aus der Unterschicht. Im Gegenteil, es gibt sie überall. Von der deutschen Ex-Bundespräsidenten-Gattin, der Verkäuferin im Supermarkt bis eben hin zum Fußballspieler oder -fan. Auch das beweisen viele Studien. Die meisten Tätowierten sind auch keine GewalttäterInnen oder VerbrecherInnen. Und schon gar keine „heulenden Wilden“.

Bei Rauschers „Einserkastl“ bleibt es bei einem „sublimierten Klischee-Krieg“ über Tätowierungen. Und es bleibt … zum Heulen.

 

Bis zum nächsten Jahr …

Mag. Igor Eberhard

(abgedruckt im Standard vom 29. Juni 2012)

Der Text von Rauscher zum Nachlesen hier: http://derstandard.at/1339638746511/Einserkastl-rau-Laufende-Tattoos?seite=2#forumstart


Pimp My Körper! Arbeiten über Tätowierungen

Zu Tätowierungen hat fast jeder eine Meinung.
Dennoch gibt es sehr viele Klischees und Vorurteile.
Gleichzeitig sind Tattoos für viele mit Rebellion, Freiheit, Erotik oder einfach Attraktivität verbunden.
Kalt lassen sie die wenigsten.
Wie auch: Sie verbreiten sich immer mehr. Parallel dazu boomen Schönheits-Operationen, Permanent-Make up etc.
Der eigene Körper wird immer wichtiger – und er wird Gestaltungsmasse.
Er muss angepasst werden. Das Ziel ist es, immer attraktiv, jung und gesund zu sein.
Der Körper und sein Schmuck rücken weiter in den Mittelpunkt. Das eigene Körper-Ich wird zum „Werkzeug“ für die „Optimierung“ des Selbst. Tattoos sind eine Möglichkeit dafür. Und sie unterliegen auch Trends, Entwicklungen und Moden. Sie sind immer Teil von etwas Größerem: einer Kultur, einer Strömung, einer Mode oder einfach einer persönlichen Einstellung. Der vorliegende Band „Pimp My Körper! Arbeiten über Tätowierungen“ soll diesen Themen nachgehen.

Preis: 34,90 EUR — ISBN: 978-3-86924-249-1

Mit Beiträgen über: -         Maori Tätowierungen (ta moko) heute -         Tätowierte Damen und Tätowierte Attraktionen in Zirkus und Schaubude -         Tattoo und Subkultur -         Tätowierungen und Lebensstil in Samoa -         Tattoo und Körpermodifikation -         Gefängnis-Tattoos -         Tattoo-Theorie -         Tattoo und Psychologie, Kriminologie etc. -         Tattoo-Motive und -Künstler -         Tattoos, Klischees und Vorurteile -         Tattoo-Mode und Tattoo-Trends -         Tattoo-Entwicklung

Igor Eberhard ist Wissenschaftler und Journalist. Er studierte in Mainz und Wien Kultur- und Sozialanthropologie, Germanistik und Philosophie. Seit 2008 lehrt Eberhard an der Universität Wien.

Zu beziehen beim Verfasser direkt unter: kaltfronten.com

oder bei Amazon unter:

http://www.amazon.de/Pimp-My-K%C3%B6rper-Arbeiten-T%C3%A4towierungen/dp/3869242493/ref=sr_1_11?ie=UTF8&qid=1334697446&sr=8-11


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