Krank? Obszön? Oder nur Kurios? Die Darstellung tätowierter Schausteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Heidelberger Sammlung Schönfeld

Mittwoch, 22. Februar 2012, 18.30 Uhr, Museum für Völkerkunde, Neue Burg, 1010 Wien
Vortrag
Krank? Obszön? Oder nur Kurios?
Die Darstellung tätowierter Schausteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Heidelberger Sammlung Schönfeld

Mag. Igor Eberhard, Ethnologe, Wien

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Tätowierte in der euroamerikanischen Gesellschaft zumeist entweder Exoten aus fernen Ländern oder „Asoziale“, Seeleute oder „Zirkusmenschen“. Tätowierte wurden bei Vorführungen bestaunt, aber ansonsten stigmatisiert, aus der Öffentlichkeit vertrieben oder im 3. Reich umgebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts begann auch der Hautarzt und Medizinhistoriker Walther Schönfeld seine Karriere. Er wurde bald zur Koryphäe für Syphilis und für Dermatologie. Parallel dazu begann er sich für das für ihn eher kuriose und fremde, manchmal krankhafte, und dem damals aussterbende Phänomen der Tätowierung zu interessieren. In den folgenden Jahrzehnten fotografierte, sammelte und dokumentierte er Tätowierungen, ihre Träger und ihre Geschichte. Die Starktätowierten und reisenden „Zirkusmenschen“, die von der Zurschaustellung ihrer Körper lebten, übten dabei eine besondere Faszination aus. In diesem Vortrag soll untersucht werden, wie die Sammlungen Schönfelds, seine zahlreichen Publikationen und auch seine persönliche Sicht das Bild von Tätowierungen prägten und evtl. auch veränderten.

Advertisements