AG HAUTBILDER.

Die Haut ist das vielgestaltigste und zugleich das sichtbarste Organ. Doch sie ist weitaus mehr als eine bloße Hülle. Sie schützt und hilft das innere Gleichgewicht zu bewahren (Homöostase), beeinflusst die Abwehrkräfte und den Stoffwechsel. Sie ist unsere Körper/Leib-Grenze und repräsentiert unsere Identität.

Abgesehen von ihren biologischen hat die Haut auch symbolische und kommunikative Funktionen. So kann sie Anlass zu Vorurteilen und Wertungen geben. Hautfarbe oder Körperveränderungen durch Tätowierungen, Bodymodifications, Narben oder Krankheit können die Triebfeder für entsprechende Stigmatisierungen sein. Fremdzuschreibungen aufgrund unserer Körperhülle waren und sind mit (Ab- oder Auf-)Wertungen verbunden. Damit einhergehende Diskreditierungen sind bis heute omnipräsent. So führen die äußerlich sichtbaren, häufig mit HIV-assoziierten Krankheiten, wie das Kaposi-Karzinom, zu Diskriminierungen und Vorurteilen (Alonzo/Reynolds 1995; Genberg et al. 2009; Mak et al. 2007 etc.). Bei nicht „selbstverschuldeten“ Krankheiten der Haut ist dies kaum anders: Ein Beispiel aus der Sicht von Betroffenen und Ärzten liefert beispielsweise die Hautstigma-Initiative des Züricher Kinderspitals. Sie will etwa Kindern und Jugendlichen mit Brandverletzungen oder Hundebissen helfen, ihr Selbstbewusstsein zurückzugewinnen.

Um die Komplexität des Feldes Haut und seine Anforderungen zu erschließen, sind noch umfassende Forschungen notwendig. Viele der vorhandenen Studien greifen nur einzelne Aspekte auf. Eine gemeinsame Basis und ein einheitlicher Wissensstand sind bis heute ein Desiderat. Im anglophonen Raum wird seit einiger Zeit versucht, die inter- und transdisziplinäre Forschungsrichtung der skin studies zu etablieren. Die Medizinhistoriker Jonathan Reinarz und Kevin Siena bemühen sich schon seit 2013 darum, diese Forschungsrichtung zu begründen. Im deutschsprachigen Raum sind dagegen bisher allenfalls erste interdisziplinäre Ansätze zu erkennen. Das wollen wir ändern.

Das Ziel der Gruppe ist es, Forschungen zu möglichst allen Themenbereichen der Haut inter- und transdisziplinär zu bearbeiten. Hierbei sollen sowohl historische, wie auch aktuelle Bereiche und Themen berücksichtigt werden: Von Tätowierungen, Hautveränderungen Körperwahrnehmung, othering, Stigma, über Sozial-Dermatologie, Gender, embodiment, Repräsentationsmedien (z. B. Moulagen, Zeichnungen, Fotografien), materielle Kulturforschung und Körpergeschichte bis zu Sozialarbeit, Visual Studies oder Erinnerungsforschung.

Die Themengebiete sind in verschiedenen Disziplinen von Relevanz: Unter anderem in der Medizin, Medizingeschichte, Anthropologie, Sozial- und Kulturanthropologie, Medical Anthropology, Soziologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Museologie, Biologie, Philosophie, Psychologie, Populärkulturforschung und Kriminologie.

Wissenschaftler/innen, Studierende, Fachleute aus der Praxis und Interessierte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sind herzlich dazu eingeladen, diese Gruppe mit aufzubauen und die Forschung in diesem Gebiet zu etablieren.

Koordination und Information

Igor Eberhard

Mitglieder

Johanna Aman, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Institut für Germanistik, Universität Wien

Stefan Donecker, Institut für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien

Igor Eberhard, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

Henrik Eßler, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin / Medizinhistorisches Museum Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Steffi Grundmann, Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften, Alte Geschichte, Bergische Universität Wuppertal

Karin König, Medizinhistorische Sammlungen, Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Universität Leipzig

Nadia Primc, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universität Heidelberg

Eduard Winter, Sammlungsleitung, Pathologisch-Anatomische Sammlung im Narrenturm, Naturhistorisches Museum Wien

Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Berlin

Ole Wittmann, Postdoc-Forschungsprojekt „Der Nachlass des Hamburger Tätowierers Christian Warlich (1891–1964)“ in Kooperation mit der Stiftung Historische Museen Hamburg/Museum für Hamburgische Geschichte, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg

Stephanie Weber, Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Wien

Ziele:

  • Austausch
  • Vernetzung
  • Erarbeitung gemeinsamen Wissensstands
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Neue Perspektiven
  • Mitarbeit in Arbeitsgruppen
  • Schließen von Forschungslücken
  • gemeinsames Veröffentlichen
  • Organisation von Projekten
  • Organisation von Konferenzen
  • Beantragen von Drittmitteln und Förderungen
  • (informelle) Workshops/Seminare (z. B. Lasertherapie, Moulagen-Herstellung, Benutzung Tätowiermaschinen, Ausstellungspraxis, dermatologische Grundlagen)
  • Beeinflussung des öffentlichen Diskurses
  • Abbau von Vorurteilen gegenüber Hautkranken, Tätowierten/Körpermodifizierten etc.
  • Austausch mit Interessierten, Fachleuten, Politik
  • Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Organisationen und Lobbyinggruppen
  • Bei Finanzierungsmöglichkeit evtl. Herausgabe eines reviewten journals

 

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